Der Tag neigt sich dem Ende zu und wir bereiten uns langsam auf die Abreise vor. Der gestrige Abend endete sehr feucht-fröhlich. Auf der Suche nach einem dezenten Gute-Nacht-Bier-Etablissement wurde uns geraten uns in der Nähe des Hauptbahnhofes umzusehen (boah langweilich, schonwieder Hauptbahnhof, das hatten wir doch schon). Eigentlich konnte uns niemand etwas empfehlen, da wegen der hohen Preise hier keiner mehr ausgeht. Also dann eben doch wieder Tram Nummer 4 und Hauptbahnhof aussteigen.
Neben dem Bahnhofsgebäude ist ein grosses Zelt aufgebaut mit einem Schild vorne am Eingang auf dem zu lesen ist “ Beerfest Finnland“ Neugierig begaben wir uns dahin und schwupp waren wir auch schon drin, für 17,50 Euro Eintritt.

Das Bier (die Wahl war zwischen Carlsberg und tschechischem Lager oder tschechischem dunklen) war lecker, gabs in einer Kreuzung aus Maßkrug und Pitcher und kostete 13,- Euro.

Es gab Live-Musik und in den Pausen zwischen den Coverbands Musik aus der Konserve. In jedem Fall allerdings merkwürdig gemischt. 80er Lieder aber eher die Lieder die nur auf Platz 2 in den Charts waren gemischt mit finnischen Top-Hits und folkloristischen Zwischeneinlagen. Zu den folkloristischen Liedern tanzte übrigens jeder, egal ob Normalo oder langhaariger Bombenleger.

Bekanntschaft haben wir auch gemacht, allerdings war der nette Finne so betrunken, dass wir auch nach mehrfahcher Nachfrage seinen Namen nicht verstanden haben. Er schenkte uns sein letztes Bier und liess sich dann von seinem Boss (viele Tische waren für Firmen reserviert) abkommandieren. Wir haben auch zwei Sorten des örtlich üblichen Schnapses verkostet Salmiakki und Terva, ein Produkt aus und mit Holz-Teer. Schnaps heisst hier übrigens Snapsi….

Auf den Toiletten spielten sich zu späterer Stunde unglaubliche Szenen ab. Total betrunken war ja eigentlich jeder, aber der eine verträgts halt besser als der andere. Schwankende Finnen die ihren Hosenstall nicht mehr zubekommen haben und die kleine Holztreppe fast heruntergepurzelt sind. Daneben zwei Männer die irgendwie ihre Brüderschaft feierten und sich ewig lang und herzlich drückten und auf den Rücken klopften. Ich sach Dir … Verbrüderung pur! Schön auch die Bedienungen in einer Mischung aus Dirndl und finnischer Folklore, die auch mal mit auf die Bänke stiegen und mitgröhlten.
Nachdem Jochen noch eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt hatte und wir das viele Bier endlich ausgetrunken hatten sind wir so gegen halb eins zur Tramhaltestelle gewackelt haben zwei Belgier vollgequatscht und sind zurück zu unserem Hostel gefahren (Eurohostel in der Linnenkatu). An der Bar im Erdgeschoss haben wir dann doch noch einen Salmiakki bestellt und ein Carlsberg, dass haben wir aber leider nicht mehr ganz geschafft. Dafür konnten wir unsere Tram-Tages-Tickets noch an zwei Neuanömmlinge abgeben – wieder eine gute Tat 🙂
Heute war ich eigentlich den ganzen Tag beschäftigt den Kater loszuwerden. Unterbrochen von einem netten Smalltalk in der Küche mit einer Künstlerin aus British Columbia, Kanada. Wir waren uns einig, in Helsinki spielt Kunst eine grosse Rolle. Überall sieht man Skulpturen oder gestaltete Wände, selbst die Trennwände auf den Toiletten im Bierzelt gestern waren küstlerisch gestaltet.

Und am Nachmittag sind wir nochmal Richtung Hauptbahnhof gelaufen aber nur bis zum Hafen. Haben dort am Geldautomaten Euro-Nachschub besorgt, auf dem Rückweg noch einen leckeren Kaffee getrunken und werden nun die notwendigen Vorbereitungen treffen um gegen 04 Uhr 30 das Haus zu verlassen.
Auf nach Oslo, ein fröhliches Humppa Lakki,
Gruß Finni Claudi, Bierzelt Bart und Helppi (Google for it)
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